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Anforderungskatalog und Qualitätsstandards

Für die qualitätsorientierte Entwicklung der prototypischen DiGeo-OERs wurde im Projektverlauf ein Anforderungskatalog erarbeitet (Arbeitspaket 1). Dieser dient zum einen als Referenz zur fachspezifischen Gestaltung und Nachnutzung von Geomedien basierten OER-Lerneinheiten. Zum anderen kann er auch bedarfsorientiert zur gezielten Qualitätserfassung (Evaluation) von geomedial gestützen OER-Lerneinheiten genutzt werden.

Der Anforderungskatalog wird an dieser Stelle als offenes Referendokument im Wiki-Format entwickelt und soll nach Projektende 2022 weitergeführt werden. Neben Kriterien zur Qualitätssicherung für die Erstellung, (Nach-)Nutzung und Bewertung von OER für formale Bildungsprozesse fließen hierfür auch didaktische und mediale Gestaltungsaspekte digitaler Geomedien als anwendungsfähige Lehr-/Lernmedien ein. Der Anforderungskatalog als technischer Bericht ist hier verfügbar Download

OER und Fachlichkeit: Eine Frage der Qualität!?

Im Kontext formaler Bildung, wie der hochschulischen Lehramtsausbildung, sind OER-/Lerneinheiten stets als Teil des fachlichen Lehr-/Lernarrangements zu denken. Im Sinne des „Autonomiestrebens von Open Education“ (Brückner 2018, 61) sollte beim Einsatz von fachlichen OER letztendlich auch das gelten, was für Lehrbücher und sonstige fachliche Lernressourcen hinsichtlich des damit verbundenen Marken- und Qualitätsversprechens von Verlagen bzw. bildungsinstitutionellen Akteur*innen selbstverständlich ist. Damit ist der Qualitätsbegriff von Lernmaterialien angesprochen, der seine Relevanz im Rahmen formaler Bildungsangebote entfaltet. Neben der Produktqualität von OER als Lehr-/Lernmedien, die mit einer zu erwarteten fachlichen Richtigkeit, Genauigkeit und Gültigkeit verwendeter Wissensinhalte und Quellen einhergeht (HRK 2016), geht es auch um die Prozessqualität im Lebenszyklus von OER und das damit implizit erwartete „Qualitätsversprechen“ der an Produktion und Nachnutzung von OER beteiligten Akteur*innen.

Zawacki-Richter und Mayrberger (2017) stellen fest, dass „Qualität ein äußerst komplexes, multiperspektivisches Konstrukt ist, das abhängig ist vom jeweiligen Kontext der Bildungsinstitution, der Formate der Bildungsangebote und ihrer Zielgruppen“ (S. 13). Ihre Aussage ist vor dem Hintergrund des Qualitätsmodells im Kontext von E-Learning und Weiterbildung nach Ehlers (2011) zu verstehen, das u.a. unterscheidet zwischen:

  • Kontextqualität, d.h. Organisationelle Voraussetzungen,
  • Inputqualität, d.h. Programmbezogene Voraussetzungen,
  • Prozessqualität, d.h. Durchführung der (Weiter)Bildungsmaßnahme,
  • Ergebnisqualität, d.h. Ergebnis der (Weiter)Bildungsmaßnahme sowie
  • Impactqualität, d.h. Ausführung der (Weiter)Bildungsmaßnahme.

Für die Dimensionierung der Erfassung und/oder Bewertung der Qualität von OER-/Lernmaterialien betonen Zawacki-Richter und Mayrberger (2017) weiterhin vier allgemeingültige Aspekte, die für die Entwicklung der DiGeo-Lerneinheiten grundsätzlich Berücksichtigung finden:

  • Inhalt, z.B. Korrektheit, Vollständigkeit und Aktualität der Lerninhalte,
  • Didaktisches Design & Support, z.B. persönliche Betreuung, automatisches Feedback,
  • Usability und Access, d.h. Zugänglichkeit, Interface Design, Metadaten,
  • Assessment, z.B. Passung zwischen Lernzielen und Lernerfolgskontrolle.

Einen Schritt in Richtung eines möglichen „Standards“ zur Qualitätssicherung von OER im deutschsprachigen Hochschulkontext unternimmt das „Qualitätssicherungsinstruments für OER für die Hamburg Open Online University (HOOU)“ (Mayrberger, Zawacki-Richter & Müskens 2018, Zawacki-Richter & Mayrberger 2017). Dieses kriterienbasierte Bewertungsinstrument für OER-Content stellt mit seinen zwei Dimensionen ‚Pädagogik/Didaktik’ sowie ‚Technik‘ insgesamt 15 kategoriale OER-Qualitätsindikatoren (Dimensionen, Skalen, Items) bereit. Als systematisch entwickeltes Qualitätsraster für die originär institutionelle OER-Qualitätssicherung an der HOOU, bietet das Modell ein valides Schema, das für die im DiGeo-Projekt adressierten Anforderungen an die Gestaltung von OER adaptiert und fachspezifisch weiterentwickelt wird.

Struktur des Anforderungskatalogs

Der DiGeo-Anforderungskatalog umfasst drei Dimensionen:

  • Fachlichkeit, d.h. Fachwissen, fachliche Konzepte und Theorien, fachlich-methodische Fertigkeiten und Fähigkeiten, wissenschaftliche Konformität, Einsatz digitaler Geomedien.
  • Pädagogik/Didaktik, d.h. Qualität des didaktischen Designs von Geomedien gestützten Lernmaterialien sowie der Überprüfungsformen des Lernerfolgs im Rahmen ihrer Nutzung.
  • Technik, d.h. technische Aspekte der Funktionalität und Gestaltung von Lernmaterialien.

Diese Dreiteilung ergibt sich zum einen aus den im Projektvorhaben theoriegeleitet formulierten Kriterien der Entwicklung und Beforschung des digitalen Fachkonzeptes. Damit verbunden sind zwei Leitfragen:

  1. Welche fachspezifischen und medienpädagogischen Prinzipien lassen sich für die Gestaltung digitaler Geomedien als digitale Lehr-/Lernmedien im Fachgeschehen bestimmen?
  2. Wie kann geografisches Fachwissen in geeigneter Weise in Lernumgebungen mit offenen und partizipativen digitalen Wissensstrukturen eingebettet werden?

Die Dreiteilung ist andererseits implizit kongruent

Darüber hinaus wurde das HOOU-Modell durch zwei weitere Leitfäden zur Qualitätssicherung von OER-Lerneinheiten bzw. -materialien synoptisch ergänzt, die im Projektzeitraum 2020 frühzeitig identifiziert wurden. Dies sind

Wie auch beim HOOU-Modell werden in diesen Leitfäden fachliche Aspekte nicht als eigenständige Kategorie adressiert, sondern mit Bezug zur technischen bzw. medialen Gestaltung und barrierefreien Bereitstellung von Lerninhalten nur implizit berücksichtigt.

Schließlich bietet die von Streitberger und Ohl (2017) aus geographiedidaktischer Perspektive vorgenommene domänenspezifische Erweiterung des Augsburger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER) eine weitere konkrete fachspezifische Perspektive auf OER, die im Anforderungskatalog ebenfalls Berücksichtigung findet.


Literatur

  • Brückner, J. (2018). Offenheit in Lehre und Forschung – Königsweg oder Sackgasse? MedienPädagogik: Zeitschrift für Theorie und Praxis der Medienbildung, 32, 51–62. https://doi.org/10.21240/mpaed/32/2018.10.23.X
  • Ehlers, U.-D. (2011). Qualität im E-Learning aus Lernersicht (2. Aufl). Wiesbaden: VS Verlag für Sozi-alwissenschaften. DOI: https://doi.org/10.1007/978-3-531-93070-1
  • Hochschulrektorenkonferenz (HRK) (2016). Senatsbeschluss zu Open Educational Resources (OER) vom 15.03.2016. Berlin
  • Mayrberger, K., Zawacki­Richter, O. & Müskens, W. (2018): Qualitätsentwicklung von OER – Vorschlag zur Erstellung eines Qualitätssicherungsinstrumentes für OER am Beispiel der Hamburg Open Online Universi-ty. Sonderband zum Fachmagazin Synergie. Unter CC BY 4.0-Lizenz: Qualitätsentwicklung von OER. Son-derband zum Fachmagazin Synergie. Universität Hamburg, 2018. Online unter: https://uhh.de/jkvs6, DOI: https://doi.org/10.25592/978.3.924330.67.5
  • Streitberger, S. & Ohl, U. (2017). Einsatzmöglichkeiten des Augsburger Analyse- und Evaluationsras-ters für Bildungsmedien in der Geographiedidaktik. In Fey, C.C. & E. Matthes (Hrsg.), Das Augsbur-ger Analyse- und Evaluationsraster für analoge und digitale Bildungsmedien (AAER) (S. 141-166), Bad Heilbrunn: Julius Klinkhardt.
  • Zawacki­Richter, O. & Mayrberger, K. (2017). Qualität von OER. Internationale Bestandsaufnahme von Instrumenten zur Qualitätssicherung von Open Educational Resources (OER) – Schritte zu einem deut-schen Modell am Beispiel der Hamburg Open Online University. Sonderband zum Fachmagazin Synergie. CC BY 4.0. Online unter: https://uhh.de/fqx9u, DOI: https://doi.org/10.25592/978.3.924330.61.3
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